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Im Herbst 1989 begannen wir mit der Projektierung des Rechnerersatzes des Fernwirksystems sowie der Lüftungsfunktion des Gotthard-Strassentunnels.
Fernwirkeinrichtungen haben eine unterschiedliche Lebensdauer. So wurden auch hier lediglich die Fernwirkrechner in den beiden Werkhöfen sowie die beiden Lüftungsrechner samt ihren Bedienstationen ersetzt. Eine der Schwierigkeiten war, dass viele der anzusteuernden Subsysteme wie Unterstationen mit ihrem Fernwirknetz, Ventilatoren, Nieder- und Hochspannung, TV-Ansteuerung, NT- und SOS-Anlagen etc. in ihrem Originalzustand zu integrieren waren. Dazu kam, dass diese Subsysteme zwar noch gut funktionierten, jedoch wegen ihrem Alter keinen Anpassungen mehr unterzogen werden konnten, da die damaligen Lieferfirmen eine solche Unterstützung nicht mehr gewähren konnten oder schlicht gar nicht mehr existierten.
Für diesen komplexen Teilersatz erstellten wir nach der Projektierung die detaillierte Ausschreibung. Um auch dabei immer Informationen von vorderster Front haben zu können, wurde diese insgesamt über 1000 Seiten umfassende Ausschreibung schon 1990 auf unseren Workstations komplett mit Desktop Publishing erzeugt und verarbeitet.

Unsere aktuellen und industrienahen Erfahrungen erlauben uns, die Anforderungen der Bauherren in präzisen Projektierungen oder Ausschreibungen so zu formulieren, dass die potentiellen Lieferanten ihre Aufgabe bestmöglich verstehen und ihren Aufwand korrekt abschätzen können.
Fernwirksysteme werden heute vorzugsweise im Baukastenprinzip gebaut. Damit erhält man die Möglichkeit, einzelne Bausteine zum gegebenen Zeitpunkt durch neue Versionen auszutauschen. Das funktioniert natürlich nur, wenn diese Bausteine über genormte Standardschnittstellen kommunizieren. In diesen Fernwirksystemen müssen also immer neuere Bausteine mit älteren koexistieren können. Was sich ändert, ist oft nur, dass das was heute neu ist, morgen als alt gilt und als Randbedingung zu den dannzumaligen Erneuerungen kompatibel sein muss.
Bei diesen Erneuerungen versuchten wir, beherrschbare Innovationen und die gemachten Erfahrungen so mit den neuen Konzepten harmonisch zu verbinden, damit die neuen Anlagen als Gegenleistung einen hohen Investitionsschutz in Aussicht stellten.
Mehrere equivalente Workstations mit mehreren Bildschirmen dienten als komfortable Bedienstationen, welche dem Operator die vielseitigen Informationen in optimaler Weise präsentierten, um schnell und präzise die notwendigen Schlüsse daraus ziehen zu können.
Diese auf Ethernet basierten Netzwerke wurden auf der über 16 km langen Strecke mit single mode Glasfasern in einem redundanten FDDI-Ring über alle Unterstationen miteinander verbunden. Auch hier galt: Eine Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied.
Zusätzlich zur hardware-mässigen Redundanz wurde die Entkopplung der personellen Abhängigkeit angestrebt. Musste früher bei einem Ausfall der andere Werkhof schnellstmöglich die aktive Führung übernehmen, erlaubt das heutige Konzept die aktive Führung nach wie vor von der dafür bestimmten Stelle aus zu machen und nur noch sehr seltene Mehrfachausfälle führen zu personellen Anpassungen.